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Meine Erfahrungen mit dem Hemmer Repetitorium in Berlin

Seit März 2020 besuche ich nun das Hemmer Repetitorium in Berlin Mitte und heute habe ich die Kündigung für ebendieses abgeschickt. Warum fragst du dich? Das hatte mehrere Gründe. Ich möchte Dir hier von meinen ganz subjektiven Erfahrungen berichten und gebe nur wieder, wie es mir persönlich ging und wie ich dieses Repetitorium empfunden habe.

Aber fangen wir von vorne an.

Die Materialien

Schon bevor ich zu Hemmer in das Repetitorium gegangen bin, habe ich die Unterlagen von Hemmer zum Lernen benutzt. Ich liebe die Skripte, die Fallbücher und die Karteikarten. Meine Lieblings-Lernmaterialien zeige ich dir am Ende dieses Beitrags.

Wenn man einen Hauptkurs bei Hemmer bucht, bekommt man 9 Skripte und 3 Karteikartensets (BGB, Strafrecht, Öffentliches Recht) gratis* dazu (*oder auch nicht gratis, sondern für 200€ wenn man, wie ich jetzt, innerhalb der ersten 6 Monate kündigt).

Wenn man auf einer Infoveranstaltung war, bekommt man nochmal 2 Skripte seiner Wahl geschenkt. Ich war auf einer Infoveranstaltung, jedoch habe ich die von mir bestellten Skripte nie erhalten. Schade. (Es kann natürlich auch sein, dass man direkt den Folgekurs buchen muss um die 2 Extraskripte zu bekommen, das weiß ich gerade nicht mehr).

Nichtsdestotrotz kann ich die Unterlagen wirklich alle empfehlen.

Die Kurse / der Unterricht

Kommen wir zu den Kursen. Ich habe den Klausurenkurs und den Hauptkurs (Dauer: ein Jahr) gebucht. Ich habe in der Infoveranstaltung bereits vorher alle Dozenten persönlich kennengelernt und wusste, dass sie fachlich alle hervorragend qualifiziert sind. Das ist ja schonmal eine gute Grundlage. Jedoch gehört ein gewisses didaktisches Geschick und Können ebenfalls dazu, wenn man anderen Menschen etwas beibringen möchte. Leider ließ dies in den allermeisten Fällen sehr zu wünschen übrig.

Ich hatte leider nur 2 Mal das Vergnügen die Kurse vor Ort zu hören, dann kam Corona und es wurde alles sehr schnell auf Onlinekurse umgestellt. Diese Umstellung ging wirklich zügig und funktionierte in den allermeisten Fällen reibungslos.

Der Ablauf der Kurse war fast immer gleich. Man hatte ein Fall, den man sich vorher von der Webseite runterladen musste und dieser wurde dann besprochen. Im Öffentlichen Recht hat das meist recht gut geklappt, im Zivilrecht wurde es manchmal sehr ausschweifend und unstrukturiert.

Fragen stellen ist immer erlaubt, ob man eine Antwort darauf bekommt, ist jedoch fraglich. Es gab Kolleg*innen, die immer wieder vertröstet und die Frage dann schlussendlich vergessen wurde oder es wurden tiefergehende Nachfragen recht rüde abgebügelt, Diskussionen waren nur bis zu einem gewissen Maß erwünscht.

Versteh mich nicht falsch, ich verstehe, dass man in einem Kurs mit über 150 Teilnehmern nicht mit jedem eine tierschürfende Diskussion anfangen kann, aber die Beteiligung in Sachen Wortmeldungen war nie wirklich ausschweifend, sodass eine Diskussion auch mal etwas frischen Wind hineingebracht hat. Ich habe jedoch öfter bemerkt, dass Kolleg*innen frustriert mit ihren Fragen zurückgeblieben sind. Ob diese dann im Anschluss an die Veranstaltung geklärt wurden, kann ich nicht sagen.

Ein wirkliches Tafelbild gab es meistens leider nicht. Insgesamt geht durch dieses ganze Onlineding super viel verloren, aber dafür kann Hemmer natürlich nichts.

Man merkt jedoch, dass die Dozenten die Fälle gut kennen und auch schon ein paar Mal „durchgespielt“ haben und somit auf die üblichen Fragen eingehen können. Auch fand ich es gut, dass die häufigsten Fehler von Examenskandidaten bekannt waren und man sehr bewusst darauf geachtet hat, diese auszumerzen. Auch wurde, gerade am Anfang des Kurses, sehr viel wiederholt, sodass man gut mitkam. Diese Wiederholungen wurden immer mal wieder eingestreut und waren für mich sehr hilfreich.

Ein großes Lob geht an Herrn Nicolai Mehl, der es immer wieder geschafft hat, mir das (in meinen Augen dröge) Öffentliche Recht näher zu bringen. Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so viel Leidenschaft bei einem Thema hat. Didaktisch ist er wirklich top und die Freude am Thema ist wirklich ansteckend.

Was mich sehr genervt hat

Wie ich ja bereits oben geschrieben habe, habe ich meinen Vertrag gekündigt. Warum habe ich das getan?

Ich habe über die letzten Monate gemerkt, dass ich mit der Art der Dozenten nicht warm werde. Das wäre bei Präsenzveranstaltungen bestimmt nochmal anders gewesen, aber bei den Onlinekursen war ich irgendwann einfach „nicht mehr dabei“. Nicht weil ich abgelenkt war, sondern weil es einfach langweilig war. Nicht vom Stoff her, sondern von der Art und Weise des Unterrichtens. Es gibt Dozenten, die sich unfassbar gerne reden hören und Anekdoten immer und immer und immer wieder erzählen, dabei jedoch das Wesentliche aus den Augen verlieren.

Ein paar Beispiele

Ich war im Jahr 2018 zur Infoveranstaltung und der Dozent hat Hemmer und die Methode etc. vorgestellt. Hat von den Statistiken geschwärmt, wie gut doch Hemmerabsolventen in den Examina abschneiden würden etc. Alles gut, alles fein. Machen wir uns nichts vor, es ist eine Art Verkaufsveranstaltung. Der Markt um private Repetitorien ist hart umkämpft, das Angebot aller recht ähnlich.

Leider hörte ich fast exakt die gleiche Rede insgesamt 3 Mal. Zur Infoveranstaltung, am 1. Tag des Repetitoriums und mitten drin nochmal, als sich einige Gasthörer angekündigt hatten. 2h pro „Rede“. Gerade am 1. Tag des Reps, als wahrscheinlich alle Neuankömmlinge hoch motiviert waren etwas zu lernen, endlich anzufangen (ich fühlte mich ein bisschen wie am 1. Schultag und hatte mich extrem drauf gefreut) und dann kommt sowas. Geschafft haben wir vom 1. Fall dann nämlich fast nichts mehr.

Ein Beispiel zum Thema Verkaufsveranstaltung

Am 1. Tag wurde natürlich auch nochmal der Klausurenkurs beworben. Diesen empfinde ich auch als wirklich wichtig und gut gemacht und die Werbung war absolut richtig, denn Klausurenschreiben ist das A und O vor dem Examen. ABER: Ich saß dort und hörte mir nun an, wie uns gesagt wurde, dass man den Klausurenkurs gleich zu Beginn mit buchen sollte und auch gleich von Anfang an mitschreiben sollte, damit man einfach Übung. bekommt. Klang für mich logisch. Es wurde auch vorher immer wieder betont, dass man am Anfang natürlich Hilfsmittel benutzen dürfe und dies war auch mein Plan.

In der Pause ging ich dann zu dem Dozenten und fragte ihn nach dem genauen Ablauf des Kurses etc. Da wurde ich entgeistert angesehen und mir wurde gesagt, dass ich die Klausuren ja jetzt am Anfang gar nicht mitschreiben könne, weil ich ja noch gar nicht das nötige Wissen hätte. Ähm ja, danke. Ich war verwirrt und verwies ihn auf sein Pamphlet, das er gerade über den frühen Start des Klausurenkurses runtergebetet hatte. Erst als ich dann meinte, dass ich ja mit Hilfsmitteln schreiben könne, ruderte er etwas zurück. Begeisterung sag jedoch anders aus.

Hemmer beschreibt sich selber gerne als die Championsleague unter den Repetitorienanbietern und dass man, gefühlt, nur mit ihnen ein Prädikatsexamen schaffen kann, was vielleicht auch stimmen mag und was mich auch keine Sekunde hat zweifeln lassen, als es um die Wahl meines Repetitors ging. Ich war felsenfest davon überzeugt, ich gehe zu Hemmer und das wird großartig.

Tja, recht schnell habe ich gemerkt, dass nicht so viel großartig ist. Ich habe auch mit anderen Kolleg*innen gesprochen, die es ähnlich sehen. Bei Nachfragen an die Dozenten wurde häufig pampig reagiert. Gerade wenn es darum ging, die benötigten Materialien zu erhalten, fühlte sich keiner der Dozenten wirklich zuständig und man wurde immer nur an „das Büro“ verwiesen. Dort wusste man entweder auch nicht viel oder nicht die aktuellsten Dinge oder bekam schlichtweg das Material nicht, weil man ein bisschen später dran war.

Auch wenn es um die technischen Einstellungen während des Kurses ging, z.B. man die Schrift nicht lesen konnte oder das Licht nicht gut war, wurde man schnell etwas ungehaltener angefahren. Von sexistischen Äußerungen eines Dozenten möchte ich hier gar nicht mehr sprechen, da er sofort von einer Kollegin (DANKE nochmal an dich und deine Chuzpe!) zurecht gewiesen wurde und sich dann etwas kleinlaut entschuldigte. Ich meine, MUSS SOWAS SEIN?

Materialausgabe

Seit einiger Zeit erfolgte eine Materialausgabe am Kursstandort: Ich war diese Woche ein Mal dort und mich traf fast der Schlag. Alle Tische ausgelegt mit einzelnen Blättern. Die zuständigen Damen vor Ort wussten nicht genau, was für Material dort jetzt neu auslag und konnten keine Auskünfte geben. Man muss sich also vorstellen, dass dort ca. 20 Fälle plus PRO Fall mindestens 5 Einzelseiten lagen, die man sich selber zusammensuchen durfte. Warum man nicht gleich die Lösungen an die Fälle geheftet hat ist mir ein Rätsel. Es wird wohl nicht so oft vorkommen, dass dort jemand hinkommt und sagt, dass er dringend von Fall 6 Seite 11 und 15 braucht, oder? Auch wurde vorher nicht angekündigt, welches Material genau ausliegt. Es konnte also sein, dass man dort hinfährt und alles schon hat. Ich finde es sehr nett, dass mir die Druckkosten erspart werden sollen, ehrlich, aber diese Form der Ausgabe geht für mich persönlich echt gar nicht.

Änderung der Kurszeiten

Der Tropfen auf den heißen Stein war dann noch die Änderung der Kurszeiten ab Herbst und dass ich somit nicht mehr die Möglichkeit habe, beide Kurse vormittags zu machen. Ich habe mich aber extra für die Vormittagskurse eingeschrieben und angemeldet, weil Kinder und Betreuung und so.

Da hilft mir auch der zusätzlich, ebenfalls nachmittags stattfindende, geschenkte Onlinekurs nichts, der den gesamten Stoff des ersten Halbjahres wiederholt. Nochmal Schade! Aber so kann ich 50% des Hauptkurses nicht wahrnehmen.

Mein Fazit

Sagen wir es mal so: Hemmer ist ein Dienstleister, für den ich 190€ pro Monat bezahlt habe. Von einem Dienstleister, der so selbstbewusst (um es mal nett zu formulieren) auftritt, habe ich wirklich mehr Service erwartet.

Nochmal, das alles hier ist meine subjektive Empfindung und was ich erlebt habe. Das heisst nicht, dass das in jedem Standort so ist. Mein Mann z.B. war bei Hemmer in Würzburg und war sehr zufrieden, so wie auch sehr viele andere Examenskandidaten.

Ich bin einfach nur enttäuscht, weil ich sehr große Erwartungen hatte, die nicht erfüllt wurden. Ich werde jetzt bei Alpmann Schmidt, Jura Intensiv und der Kratz Akademie Probehören und mich dann zum September hin für ein neues Repetitorium entscheiden.

Falls ihr noch Fragen oder Anregungen habt, dann schreibt mir doch einfach oder folgt mir für tägliche Jura-Updates einfach auf Instagram.

Alles Liebe,

Eure Caro

P.S. Meine Lieblings-Lernmaterialien findest du hier:

Hemmer Karteikarten Zivilrecht:

Hemmer wichtigste Fälle im Zivilrecht

Hemmer: Schuldrecht AT Skript

Hemmer Karteikarten Strafrecht:

Hemmer Karteikarten Öffentliches Recht:

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