Pro Parents Initiative
Elternsein,  Finanzen,  Karriere,  Tipps

#ProParents Initiative – Elternschaft ist kein Diskriminierungsgrund

Stell Dir vor, Du bist vor einiger Zeit Mutter oder Vater geworden, hast vielleicht Elternzeit oder nur den Mutterschutz genommen und kommst an deinen Arbeitsplatz zurück. Statt mit Blumen und Konfetti willkommen geheißen zu werden, wirst du zum Personalgespräch gebeten und erhältst die Kündigung. Oder dir wird gesagt, dass du ja jetzt nicht mehr so leistungsfähig bist wie „früher“, weil du deine Arbeitszeit eventuell verkürzt hast um Zeit für Deine Familie zu haben. Oder deine nur „interimsmäßig“ besetzte Stelle ist seltsamerweise nicht mehr verfügbar.

Früher Chefin, heute Mutti! Papa? Bei dem bleibt alles gleich

Es wäre toll, wenn ich mir all diese (und noch viel schlimmere) Geschichten einfach ausgedacht hätte, aber dem ist nicht so. Sie passieren tausendfach in deutschen Büros, in großen, wie in kleinen.

Da wird die Chefin ganz schnell degradiert, weil sie ja jetzt „Mutti“ ist. Auch ich wurde sehr oft so genannt, weil ich die erste in unserem Team war, die schwanger wurde. Meine männlichen Vorgesetzten waren alle bereits Väter, aber ihr wisst ja, das zählt ja nicht. Sind ja Männer und nur weil die Väter werden, heißt das, ja was genau?

Genau, es bedeutet meistens absolut GAR NICHTS für ihre berufliche Position.

Tatsächlich gibt es aber auch die andere Seite. Auch Männern wird gekündigt, wenn sie vorhaben Elternzeit zu nehmen. Häufig wird ihnen dann „nahegelegt“ sich doch etwas anderes zu suchen. Dass Väter Elternzeit nehmen, die länger als die typischen 2 Monate gehen, ist immer noch äußerst selten.

Und wie sieht es mit Ihrer Familienplanung aus?

Ich saß mal in einem Vorstellungsgespräch mit den 3 Chefs eines mittlerweile recht großen Münchner Unternehmens. Ich hatte mich aus Verzweiflung nach meinem Masterstudium dort beworben.

Ich musste die ganze Zeit nur in mich hinein grinsen, weil ich deren Auftritt an sich schon sehr lächerlich fand, einfach weil sie ernsthaft der Meinung waren, dass sie da etwas ganz Weltbewegendes auf die Beine gestellt hätten. (Disclaimer: Hatten sie damals nicht!)

Und dann kam natürlich die alles entscheidende Frage: Wie sieht denn ihr Leben gerade so aus? Haben Sie einen Partner und möchten Sie Kinder? Da diese Frage auch „damals“ schon nicht zulässig war, log ich ihnen eiskalt ins Gesicht und behauptete keine Kinder zu wollen. Was ging es diese 3 Herren auch an? Ich war echt sauer danach und wusste, dass ich für keine Chefs arbeiten möchte, die solche Fragen ernsthaft noch stellen.

Dass es diese Fragen bis heute noch ernsthaft gibt, macht mich immer noch fassungslos.

Bei einem weiteren Telefoninterview (mit einem Startup) weinte meine 1,5 jährige Tochter im Hintergrund und ich versuchte sie zu trösten. Ja, blöder Moment, aber ich konnte nichts dafür. Mein Mann hatte alles versucht, sie zu beruhigen, aber manchmal wollen kleine Kinder zu einem bestimmten Elternteil.

Die Reaktion am anderen Ende war sehr komisch. Erst versuchte mein Gegenüber die Situation zu ignorieren und dann wurde er immer unruhiger. Als ich ihn bat das Gespräch kurz zu unterbrechen oder zu verschieben, meinte er nur, dass das wohl mit dem Job nicht würde, denn ich müsste „mich ja um andere Sachen“ kümmern und wäre bestimmt nicht voll einsatzfähig, wie er das jetzt für ein Startup bräuchte. Ähm ja. Danke, aber nein.

Kinder haben ist toll und kein Grund zur Diskriminierung

Wer sich für Kinder entscheidet, entscheidet sich meisten automatisch dafür, seine Karriere zu pausieren, sehr viel langsamer fortzuführen oder gar zu beenden. Uns ist allen klar, dass es meistens Frauen sind, denen dieses Los zu teil wird. Sie verdienen im Schnitt weniger als Männer und wenn es dann um die nackte Rechnung geht, wer kürzer tritt oder ganz zu Hause bleibt, ist die Entscheidung schnell gefallen.

Wohin das führt, wissen wir auch alle. Altersarmut bei Frauen durch Rentenlücken und viel geringer ausfallende Rücklagen. Wenn man nicht viel verdient, kann man nicht viel zurücklegen. Eine Investition in finanzielle Bildung ist da ein erster wichtiger Schritt.

Einen weiteren sehr wichtigen Schritt sind bereits Rechtsanwältin Sandra Runge (ihr Instagramprofil) und Journalistin Karline Wenzel gegangen. Sie haben gemeinsam mit der Brigitte und Eltern die Initiative ProParents ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, „Elternschaft“ als Diskriminierungsmerkmal in den § 1 des AGG aufnehmen zu lassen.

 

Wir fordern die Aufnahme des Diskriminierungsmerkmals »Elternschaft« in § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) bzw. eine Ergänzung des AGG – z.B. nach dem österreichischen Vorbild, wonach in der Arbeitswelt niemand »Auf Grund des Geschlechtes, insbesondere unter Bezugnahme auf den Familienstand oder den Umstand, ob jemand Kinder hat, unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden darf.« (§ 4 GlBG).

Eine entsprechende Regelung im AGG würde alle berufstätigen Eltern, unabhängig von Familienstand und vom Geschlecht umfassen: Mütter, Väter, egal ob alleinerziehend, oder in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft – vom Minijobber bis zur Geschäftsführerin. Sie alle wären durch eine klare gesetzliche Grundlage vor Benachteiligungen geschützt, könnten Anspruch auf Schadensersatz geltend machen und sich im Diskriminierungsfall auf eine Beweislastumkehr stützen.

Darüberhinaus wollen wir einen öffentlichen Dialog in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Thema Diskriminierung von Eltern, insbesondere in der Arbeitswelt, anstoßen.

https://proparentsinitiative.de/#ueberuns

 

Eine solche Initiative ist längst überfällig und deswegen bin ich so unendlich dankbar für diesen wichtigen Schritt in eine Arbeitswelt, in der selbstverständlich ist, dass man sich für Kinder entscheidet, wenn man das möchte.

 

Bitte unterschreibt und teilt diese Petition

 

https://www.openpetition.de/petition/unterzeichner/proparents-brigitte-und-eltern-fordern-elternschaft-als-diskriminierungsmerkmal-ins-agg

Dass die Aufnahme als Diskriminierungsmerkmal nicht vor Kündigungen schützt, ist klar, aber es bietet einen Anspruch auf Entschädigung und auf Unterlassung der Diskriminierung. Man sollte sich natürlich auch immer darüber im Klaren sein, dass ein Arbeitsverhältnis auch im gewissen Umfang ein Vertrauensverhältnis darstellt und eine weitere Zusammenarbeit eventuell erschwert wird, wenn man seinen Arbeitgeber auf Unterlassung verklagt.
Jedoch ist die Petition ein Schritt in den öffentlichen Diskurs sich mehr mit Elternrechten im Arbeitsleben auseinanderzusetzen. Das ganze Thema sichtbarer und lauter zu machen. Danke an dieser Stelle auch an Dr. Mareike Curtze für den spannenden Austausch zu diesem Thema.
Danke!
Eure Caro

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