Familienalltag in Corona Zeiten
Elternsein,  Mama sein

„Jetzt müssen sich Eltern endlich mal wieder um ihre Kinder kümmern, statt sie immer nur abzuschieben!“ -Arbeitsalltag zwischen Homeschooling und Kinderbetreuung

„Du wolltest doch Kinder, also kümmern Dich auch drum!“

„Hör auf zu jammern, früher haben Mütter auch nicht so viel gejammert und alles geschafft!“

„Die Eltern von heute sind einfach nur verweichlicht!“

Jedes Elternteil, das sich in den letzten Monaten getraut hat öffentlich über die Belastungen von Homeoffice/ Präsenzjob, Homeschooling und Kinderbetreuung zu klagen um die ganze Misere sichtbarer zu machen – #Coronaeltern #Elterninderkrise – haben sehr häufig oben stehende Antworten bekommen. Meist von kinderlosen Menschen oder was ich immer am schlimmsten finde, von anderen Müttern/Vätern. Solidarität olé!

Klar, als kinderloser Mensch oder Paar hätte ich die „Corona-Zeit“ auch ganz anders „genossen“. Ich hätte viel gelernt, viel gelesen, mir vielleicht noch ein neues Hobby oder eine neue Fremdsprache beigebracht, alles wäre relativ easy gewesen. Das ist es mit Kindern aber nun mal nicht immer.

Ja, wir haben uns für Kinder entschieden, aber nicht unter diesen Bedingungen. Ich wusste, als ich Kinder bekam, dass ich Anspruch auf einen Betreuungsplatz habe, weil ich immer gerne gearbeitet und studiert habe. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich vielleicht auch keine Kinder bekommen, wenn ich gewusst hätte, dass ich mich 24h/Tag/Woche um sie kümmern muss und keiner anderen Tätigkeit mehr nachgehen kann. Ich bin sehr froh um diese Wahlfreiheit und diese sollte jede/jeder so nutzen dürfen, wie sie/er möchte.

Unser Alltag in Zeiten von Corona

Bis Anfang Mai war mein Mann ebenfalls noch im Homeoffice, seitdem ist das leider nur noch bedingt möglich, also wuppe ich seitdem das allermeiste alleine.

Was ich mache? Ich befinde mich in der Examensvorbereitung für mein 1. juristisches Staatsexamen und mache ein Repetitorium. Wenn ich das nicht mache, bin ich selbstständig als Marketing Managerin. Ich habe ein 3 jähriges Kitakind und ein 6 jähriges Grundschulkind hier daheim.

Einen Beitrag über das Lernen mit Kinder zu Hause habe ich hier schon einmal geschrieben.

Ich stehe meist, so wie jetzt gerade, gegen 5 Uhr auf um mich an den Schreibtisch zu setzen und die ersten ToDos meiner Liste abzuarbeiten. (Ihr seht, keine fancy Morningroutine mit Yoga, Meditation, Proteinshake und Lichterketten auf Lammfell). Normalerweise bereite ich einen Fall aus meinem Kurs vor oder nach. Lese Lösungsskizzen und schreibe mir die Probleme des Falls heraus. Damit ich das nicht dreimal tun muss, muss ich mich einfach schon morgens sehr gut konzentrieren.

Gegen 7:30 Uhr wecke ich die Kinder und wir frühstücken schnell gemeinsam, bevor beide angezogen werden und auch ich mich für den Tag fertig machen kann. Schnell noch die Brotdose fertig gemacht, die Schultasche kontrolliert und los gehts.

Die Große hat 2 mal/Woche Schule für 4h und kann anschließend bis 15 Uhr in die Notbetreuung. Leider werden dort nur hin und wieder mal Hausaufgaben gemacht und so weiß ich, dass ich das alles mit ihr dann bis zum nächsten Unterricht daheim machen darf.

Der Kleine hat 4h Kita/Tag, meist von 12:30-16:30 Uhr. Normalerweise habe ich montags einen Klausurenkurs, in dem ich von 9-14 Uhr Examensklausuren schreibe. Diesen habe ich seit Corona nur ein Mal wahrnehmen können. Mittwoch und Freitag habe ich von 9-13 Uhr Kurs. Ihr seht, dass die Kitazeit des Kleinen da so gar nicht passt. Wenn es passt, kommt unsere Babysitterin und holt den Kleinen ab um draussen zu spielen. Zum Glück passt es in letzter Zeit öfter, von den Kosten brauche ich euch nichts zu erzählen.

Wenn sie nicht kann, bringen wir beide die Große zur Schule und gehen dann auf den Spielplatz. Ans arbeiten brauche ich mit ihm alleine zu Hause nicht denken. Er spielt zwar mal selbstständig, aber länger als 15 Minuten geht das nicht. Zum Glück gibt es für ihn in der Kita Mittagessen, aber ich brauche ja auch noch was. Naja, irgendwas wir der Kühlschrank schon noch hergeben.

Kurze Zeit zum arbeiten oder Luftholen

Zwischen 13-15 Uhr habe ich dann tatsächlich mal Zeit um ungestört zu arbeiten, wenn ich nicht selber einfach mal eine Pause brauche oder mich die Müdigkeit überrennt.

Dann kommt die Große heim und möchte etwas Aufmerksamkeit. Auf Schulaufgaben hat sie natürlich keine Lust mehr. Hätte ich, ehrlich gesagt, aber auch nicht mehr. Wenn sie sich zurückziehen möchte, bleiben mir noch ein paar Minuten mehr zum Arbeiten oder lernen bis ich den Kleinen aus der Kita holen muss. Dann spielen wir meist noch draussen oder ich arbeite weiter, wenn beide Kinder miteinander spielen möchten.

Abendessen? Ach ja, einkaufen war ich auch noch nicht. Ich müsste mal wieder eine Bestellung machen, das geht einfacher. Gibt es halt Brot oder Waffeln oder mal wieder Nudeln.

20 Uhr: Ich mache beide Kinder bettfertig, lese vor (oder lasse mir vorlesen), kuschle und hoffe, dass ich nicht allzu viel gemeckert und geschimpft habe heute und dass beide friedlich einschlafen.

Der Mann kommt heim und hat sich zum Glück selber etwas zu essen mitgebracht. Ich bin müde und vielleicht schaffe ich doch noch 15 Minuten Yoga? Oder doch lieber nur ein Glas Wein und ein paar Minuten Hörbuch?

Ich entscheide mich für Letzteres und gehe schlafen. Der Wecker klingelt früh und ich hoffe, dass ich mal vor Mitternacht einschlafen kann.

Disclaimer: Bei diesen Darstellungen soll es nicht darum gehen, wer mehr arbeitet, wer weniger Zeit und mehr Stress hat. Es geht darum zu zeigen, dass wir alle unter großem Druck stehen, jeder für sich und jeder in einem anderen Rahmen. Ein zusätzliches Elternbashing möchte ich hier nicht hören!

Wie geht es euch zur Zeit? Wie hat Corona euren Alltag verändert? Andrea von Runzelfüßchen hatte dazu aufgerufen realistische Tagesabläufe aufzuschreiben. Macht doch gerne mit!

#ifeelyou und #wirsitzenalleimgleichenboot

Alles Liebe,

Eure Caro

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Hallo und herzlich Willkommen! Ich bin Carolin, 31Jahre jung und Mama von 2 wunderbaren Kindern. Ich studiere Jura, blogge über unser Familienleben in Berlin, über die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie und über allerlei Leckereien und schönen Dinge des Lebens. Ich wünsche Dir ganz viel Freude hier auf meinem Blog!

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